Frankfurt
Weinstadt



Großstadt mit eigenem Weinanbaugebiet
M.Rosenwirth - Fotolia.com
Nicht viele deutsche Großstädte können sich eines eigenen Weinbergs rühmen. Frankfurt hat mit seinem "Lohrberger Hang" sogar ein Stück des berühmten Anbaugebiets Rheingau innerhalb seiner Stadtgrenzen aufzuweisen. Ob "Hochheimer Stein", "Hochheimer Hölle" oder "Lohrberger Hang" - eines ist den Weinen aus diesen Lagen gemeinsam: Sie stammen aus dem traditionsreichen Weingut der Stadt Frankfurt. Dass die Stadt seit 1803 ein Weingut ihr eigen nennen kann, hat sie Napoleon und der Säkularisation zu verdanken. So fielen die Weinberge am Lohrberg und im Rheingau mitsamt den dazugehörigen Wirtschaftshäusern in den Besitz Frankfurts. Viele Jahre lang bewirtschaftete die Stadt das Weingut selbst. 1994 beschlossen die Stadtväter, das Anwesen an die Winzerfamilie Rupp zu verpachten. Heute führt es Jürgen Rupp, Winzer in zehnter Generation, und produziert in städtischem Namen süffige Weine, die bei offiziellen Anlässen der Stadt, bei Empfängen und Banketten, im Römer nicht fehlen.


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Auf rund 25 Hektar erstreckt sich die städtische Weinanbaufläche. Der größte Teil davon ist im Rheingau am Hochheimer Mainufer gelegen. Hier wachsen in bester Lage Riesling, Weiß- und Spätburgunder, Chardonnay und Cabernet Sauvignon. Nur ein kleiner Teil des Riesling-Anbaugebiets liegt auf Frankfurter Stadtgebiet am Lohrberger Hang im Stadtteil Seckbach. Aus den im Stadtgebiet wachsenden Trauben werden alljährlich rund 10.000 Flaschen „Lohrberger" erzeugt. Der Gesamtausstoß beträgt rund 200.000 Flaschen jährlich, in genau 55 Varietäten Wein und Sekt.
Der Lohrberg ist heute die östlichste Weinlage des Rheingaus; auch seine Trauben werden im Städtischen Weingut mit Sitz in Hochheim gekeltert und ausgebaut. Der einzig wahre Frankfurter „Lohrberger" ist in drei Sorten Wein - trocken und halbtrocken - sowie als Sekt extra trocken erhältlich. Der rare Wein wird im Gutsausschank des Weinguts der Stadt Frankfurt im Römer ausgeschenkt: Dort kann man ihn auch für zu Hause kaufen, im Fachhandel ist er nicht erhältlich. Der größte Abnehmer ist nach wie vor die Stadt. Doch auch viele Frankfurter legen sich Frankfurter Lohrberger in den privaten Keller, Firmen verschenken ihn als typisches und originelles Frankfurter Präsent an

Geschäftsfreunde. Kein Empfang oder Bankett für Staats- und Ehrengäste, bei dem Oberbürgermeisterin Petra Roth nicht städtische Tropfen kredenzen lässt. Zudem kann man Frankfurter Weine in verschiedenen Lokalen rund um den Römer und auch an Bord der Primus Linie auf dem Main genießen.

Das Hauptanbaugebiet des Rheingaus liegt zwischen Wiesbaden und Lorch. Der Rheingau spielt in der deutschen Weingeschichte eine wesentliche Rolle und gilt als Wiege der deutschen Weinkultur. Durch Tradition und moderne Technik in Verbindung mit den großartigen Voraussetzungen, die Mutter Natur dem Rheingau beschert, werden Weine von ganz besonderer Qualität erzeugt.

Von den angebauten Rebsorten entfallen 78,3 Prozent auf Riesling, gefolgt von Spätburgunder mit 12,5 Prozent. Riesling ist die in Deutschland neben Müller- Thurgau am weitesten verbreitete Rebsorte. Riesling reift sehr spät und stellt daher hohe Anforderungen an die Lage. Unübertroffen sind Rieslinge in ihrer Lagerfähigkeit. Ihre Farbe ist blass mit Grünstich bis goldgelb, ihre Aromen reichen von Apfel, Grapefruit und Pfirsich über Aprikose bis Quitte, Ananas, Mango und Kräuter.

Im Rheingau ist zudem die Spätlese entstanden. Weinliebhaber kennen die kuriose Geschichte um den „Spätlesereiter", dessen Verspätung die Traubenlese im Rheingau verzögerte: Weil der Kurier des Fürstabts von Fulda zu spät mit der Leseerlaubnis eintraf, begann 1775 auf Johannisberg die Lese erst als die Trauben fast rosinenartig trocken waren. So war die erste Spätlese der Weingeschichte „erfunden" und die Edelfäule, die es den Rheingauer Winzern möglich macht, in bestimmten Jahren Weine von außerordentlicher Qualität bis hin zu Beeren und Trockenbeerenauslesen zu erzeugen, war entdeckt.

Zahlreiche touristische Attraktionen bringen Besuchern die Schönheiten der Region näher. So zieht sich die „Rheingauer Riesling Route" über 70 km von Lorch bis Flörsheim bzw. umgekehrt. Eine weitere Möglichkeit zur Erkundung bietet der 120 km lange „Rheingauer Rieslingpfad". Für diesen Wanderweg benötigt man feste Schuhe und eine aktuelle Wanderkarte, auf der die Wanderwege mit dem „Rheingauer Römer" ausgeschildert sind.

Auch die Prädikats-Pioniere im deutschen Weinbau haben ihren Ursprung im
Rheingau. Vor mehr als 100 Jahren schlossen sich die ersten Qualitätsverfechter unter den Winzern im Rheingau zusammen. Ein Messingschild an Winzers Tor signalisiert dessen Mitgliedschaft im "Verband

Deutscher Prädikatsweingüter" (VDP). Der VDP-Rheingau ist der älteste Zusammenschluss namhafter Weingüter in Deutschland. Sein Zeichen bürgt für die Qualität des Weines und bezeugt, dass die Mitglieder dieser Vereinigung renommierte Weinbergslagen besitzen und den Anbau traditioneller, gebietstypischer Rebsorten pflegen. Die 50 Rheingauer VDP-Güter bauen auf ca. 1.000 ha Rebfläche fast ausschließlich Riesling und Spätburgunder auf ihren Spitzenlagen an. Sie veranstalten alljährlich die „Glorreichen Rheingau- Tage", in diesem Jahr vom 6. bis 14. November 2004.

Kaum weiter als in den Rheingau ist es von Frankfurt in die Weinregion Hessische Bergstrasse. Die Region östlich des Rheins zwischen Heidelberg und Darmstadt wird seit jeher von der Sonne verwöhnt. Durch den Odenwald vor dem kalten Ostwind geschützt, lädt die Bergstraße zum Frühlingserwachen ein, wenn in anderen Regionen Deutschlands noch Winter herrscht. Schon im März kann man in Bensheim und Umgebung die herrliche Blütenpracht (Mandel, Feige, Aprikose, Pfirsich, Kirsche) erleben. Nicht umsonst wird die Bergstraße auch als "Frühlingsgarten Deutschlands" bezeichnet. Es verwundert daher nicht, dass die anspruchsvollste weiße Rebsorte, der langsam reifende Riesling, an der Hessischen Bergstraße mehr als die Hälfte der Rebfläche einnimmt. Fast zwei Jahrzehnte war die Hessische Bergstraße das kleinste unter den deutschen Anbaugebieten, bis durch die Wiedervereinigung Sachsen und Saale-Unstrut hinzukamen. Erst 1971 hatte man die gerade einmal 450 Hektar umfassende Weinregion zwischen Darmstadt und Heppenheim gebildet.



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