Im Röckener Pfarrhaus wurde er am 15.10.1844 als Sohn des protestantischen Pfarrers Karl Ludwig Nietzsche geboren. Bereits mit vier Jahren verlor er den Vater, der an einer Gehirnerweichung starb. Die Familie musste das Pfarrhaus verlassen und zog nach Naumburg.
Am 17.10.1865 traf der 21-jährige Nietzsche dann in Leipzig ein, um klassische Philologie zu studieren. Zuvor hatte er zwei Semester in Bonn studiert, war aber von der rheinischen Kleinstadt und deren Frohnatur wenig begeistert.
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Nietzsches Studium dauerte bis April 1869 und wurde 1867/68 von einem Militärjahr unterbrochen. Sein Lehrer und Förderer Friedrich Wilhelm Ritschl regte ihn in Leipzig zur Gründung des Kreises junger Sprachwissenschaftler an (Ende 1865). Nietzsches Promotionsakte bezeugt einen für die Universität einmaligen Vorgang, denn der Student wurde mit 24 Jahren ohne Vorlage einer ausformulierten Dissertation und noch dazu in Abwesenheit zum Doktor der Philosophie ernannt. Dem Professorenkollegium genügten seine in der philologischen Fachzeitschrift “Rheinisches Museum” abgedruckten Arbeiten als Legitimation.
Obwohl in Nietzsches Leipziger Zeit 1866 die Cholera und der preußísch-österreichische Krieg mit Sachsen auf der Verliererseite hinein fielen, nannte der Philosoph seine Studentenjahre im Rückblick: “Eine goldne Zeit der unumschränkten Thätigkeit ... des Kunst- und Weltgenusses”. Leipzig war eine “sehr liebe Stadt”, in der er sich wohl fühlte. Doch Leipzig dankte ihm das wohlwollende Urteil nicht und ging mit dem Philosophen bis in die heutige Zeit eher stiefmütterlich um.
In seiner Philosophie stellte sich Nietzsche immer wieder kompetent den Fragen der Musik. Sie allein sei imstande, den Mythos mit neuem Leben zu erwecken. Dabei wurde sein Denken stark von Komponisten wie Richard Strauss und Gustav Mahler beeinflusst. Seine eigenen Kompositionen, die vor allem in seiner Jugend entstanden, erlangten jedoch kaum Bekanntheit.
Im Februar 1869 erfolgte auf Empfehlung Ritschls überraschend die Berufung Nietzsches zum Professor für klassische Philologie an die Universität Basel. Hier umriss er bereits seine Philosophie. Ausgehend von der griechischen Tragödie wollte er zu einer sich am Hellenentum orientierten Daseinsauffassung gelangen. Ab 1873 plagten ihn immer häufiger migräneartige Anfälle, so dass er seine Lehrtätigkeit aufgeben musste. Anfang Januar 1889 brach er dann - offenkundig wahnsinnig - in Turin zusammen und lebte seitdem in geistiger Umnachtung. Die bis heute nicht sichere Diagnose der Ärzte lautete auf progressive Paralyse (fortschreitender Abbau der Hirntätigkeit). Dies war vermutlich die Folge einer lange Jahre latenten syphilitischen Infektion, die er sich während seiner Leipziger Studentenzeit zugezogen hatte.
Nach dem Tod der Mutter 1897 nahm ihn seine Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche nach Weimar und pflegte ihn. Am 25.8.1900 starb Nietzsche und wurde drei Tage später nach Röcken überführt und am 28.8.1900 in der Familiengruft an der Südseite der Kirche bestattet mit Glockengeläut und Zarathustra-Zitaten.
Nietzsches Schwester Elisabeth wurde Vormund seines Nachlasses und war maßgeblich für die tendenzielle Ausschlachtung des Nietzsche-Werkes nach 1933 verantwortlich. Schon zu Lebzeiten wurde die Korrektheit ihrer Herausgebertätigkeit angezweifelt. Während der DDR-Zeit wurde Nietzsche zum “ideologischen Wegbereiter des Nationalsozialismus” und “Feind der Arbeiterklasse” reduziert und offiziell totgeschwiegen.
Heute ruht der große Philosoph abseits der Touristenpfade fast vergessen in seinem Geburtsstädtchen Röcken. Taufkirche, Dorfschule, Grabstätte und zwei Nebengebäude sind noch heute wenig veränderte Zeugen aus der Zeit des Philosophen. Die Anreise nach Röcken erfolgt von Leipzig auf der B 87 Richtung Südwesten über Markranstädt und Lützen.
Anekdote:
“Wo ist mein Gepäck geblieben!... Die bösen Eisenbahnen, die bösen Spediteure”, rief Nietzsche wütend, als bei seiner Ankunft in Leipzig anno 1865 die Koffer fehlten. Die ersten Tage musste er nun ohne Gepäck auskommen. Den Studienfreunden war das Malheur nicht entgangen. Schon bald kommentierten sie Nietzsches gelegentliche Stimmungstiefs mit dem Standardwitz “Der Koffer ists, nur der Koffer ists!” Später bekam die Anekdote einen seltsamen Nachhall. Bis zu seiner geistigen Umnachtung, als man ihn mit Schlafmütze durch den Turiner Bahnhof führte, hatte er immer wieder Ärger mit Gepäck. Es war, als würde der Koffer ein Sinnbild für die Fahrt in den Wahnsinn sein.
(Quelle: Leipzig Tourist Service e.V.)
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